#1 „Wir haben eine schlechte Unternehmenskultur!“

Kennen Sie diese Aussage auch aus Ihrem Unternehmen?

 

Gegebenenfalls kam die Botschaft über den Flurfunk zu Ihnen. Vielleicht hatten Ihre Mitarbeitenden den Mut es Ihnen direkt zu sagen. Oder Sie haben das Resümee aus der letzten Umfrage zur Mitarbeiterzufriedenheit gewonnen. Eventuell wird das Thema Unternehmenskultur bereits über ihr Kennzahlensystem im Unternehmen sichtbar.

Dabei denke ich an Kennzahlen wie einen hohen Krankenstand, eine hohe Fluktuationsrate oder auch eine niedrige Arbeitgeberattraktivität. Wenn Sie darüber hinaus Ihren EBIT-Zielen hinterherlaufen und vertraglich vereinbarte Liefertermine nicht einhalten, dann ist es höchste Eisenbahn etwas zu unternehmen!

Sie sind sich sicher, dass es an der Demotivation Ihrer Mannschaft liegt? Wunderbar! Dann können Sie nämlich auch etwas tun, das zu ändern. Und zwar schon heute!

Albert Einstein sagte einmal:
„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

Fragen Sie sich also, was Sie tun können, um Motivation zu erzeugen. Hierbei spielt der Faktor Stress eine zentrale Rolle. Nicht nur beim Thema Demotivation, sondern vielmehr auch beim Thema (positive) Motivation.

Sie haben bestimmt schon einmal die Unterscheidung von Eustress und Distress gehört. Beide werden durch die sogenannten Stressoren (auch: Stressfaktoren) erzeugt. Hierbei sind Eustress die Faktoren, die den Organismus (sowohl die einzelne Person, das Team als auch die Organisation als Ganzes) positiv beeinflussen. Wenn Sie Dinge gerne machen, selbst wenn es bedeutet ein gewisses Risiko auf sich zu nehmen, um z.B. Ihrem Hobby nachzukommen, dann können aus Stressoren auch ganz schnell Ressourcen werden.

Sie kennen sicherlich das Gefühl, das nach größter Anstrengung einsetzt, wenn man umso mehr am Ende das Ergebnis genießen kann. „Mit Schweiß und Fleiß“ den Gipfel des Berges erklommen zu haben, den ersten Marathon geschafft zu haben, den ersten großen Segeltörn bei widrigem, stürmischem Wetter gesund hinter sich gebracht haben oder das große internationale Projekt trotz Corona fristgerecht abgeschlossen zu haben.

Fangen Sie bei sich selbst an! Woraus ziehen Sie Ihre Kraft? Was sind für Sie Herausforderungen, durch die Sie wachsen?


Bei Faktoren, die Distress auslösen passiert das Gegenteil. Stellen Sie sich vor, der Segeltörn wurde von einer Person begleitet die Angst auf dem offenen Wasser hat. Was für Sie der Gipfel an Euphorie ist, bedeutet für diese Person den größten (Di)Stress. Dieser kann durch Ängste oder sogar gegebenenfalls gesundheitlichen Beschwerden begleitet werden.

Distress sind somit Faktoren, die als unangenehm, bedrohlich oder auch überfordernd wahrgenommen werden. Erst recht, wenn dieser Zustand über einen längeren Zeitraum andauert und die Person keinen Ausgleich (durch Ressourcen) erfährt, wie das Beispiel auf dem Segelboot zeigt.

Beachten Sie also:
Was für Sie logisch, einfach und sinnvoll scheint, kann für Ihr Gegenüber größten negativen Stress bedeuten.

Wenn Sie diese Erkenntnis nun auf Ihr Unternehmen übertragen, dann möchte ich Ihnen an dieser Stelle folgende Empfehlung für den Umgang mit Ihren Mitarbeitern geben: Setzen Sie Ihre Mitarbeiter für bestimmte Aufgaben nach Ihren Stärken ein und wählen Sie diese nicht aufgrund der Erfordernisse aus, die sich aus den organisatorischen Voraussetzungen ergeben. Vielmehr passen Sie bei Bedarf die Strukturen und Prozesse so an, dass die Mitarbeiter Ihre maximale Wirkung entfalten können, da Sie sich entfalten können und so über sich hinauswachsen.

Ich würde mir wünschen, nicht mehr, wie in der Vergangenheit in den Projekten für die ich als Berater zuständig war, immer wieder die Aussage von Geschäftsführern, Bereichs- oder auch Abteilungsleitern zu hören – „Zuständig ist Frau Meier“ (Was ich dabei höre: „Hauptsache nicht ich.“). Dabei wurde meist weder geklärt, ob Frau Meier das kann noch ob sie das machen möchte.

Fragen Sie sich also das nächste Mal:
Welches Ergebnis erwarten Sie, wenn Sie das Können und Wollen bei der Delegation einer Aufgabe nicht berücksichtigen?

Halten Sie einmal kurz inne und reflektieren Sie, wie Sie die letzte Taskforce/ Ihr letztes Projekt/ Ihre letzte Sonderausgabe besetzt haben. Auf Basis welcher Kriterien haben Sie die Personen ausgewählt? Haben Sie den besten Experten zum Leiter gemacht? Dann sollten Sie sich fragen, wer jetzt der Experte in Ihrem Team ist! Oder muss die Person nun beide Rollen einnehmen? Und Sie verbrennen Ihren besten Mann. Denken Sie an die Stressoren…

Fangen Sie bei sich selbst an! Sie werden erleben, wie sich die „schlechte Unternehmenskultur“ schrittweise durch Ihr Vorleben, durch Ihr Tun, durch Ihre Haltung verändern wird. Aus den Wassertropfen werden Wellen entstehen, die sich ganz allmählich durch das ganze Unternehmen bahnen. Ein erster wichtiger Schritt, um Ihre Unternehmenskultur zu verändern. Mehr Motivation, engagiertere Mitarbeiter und nicht zuletzt auch bessere Zahlen werden das Ergebnis sein!

In meinem nächsten Blog werde ich über das Thema Feedback schreiben. Seien Sie gespannt, welche Wirkung die Extremsituationen – miteinander sprechen! – haben kann.

Ihre Ines Mikisek

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